Gerald Fränkl Blog

Postkonkurrenz gibt offen zu, dass sie nur durch Mitarbeiterausbeutung bestehen kann und warum Geiz nicht geil ist

Ich hab gedacht, ich träum: da gibt ein Sprecher eines Postkonkurrenten offen zu, dass die Postkonkurrenten nur dann arbeiten können, wenn sie Mitarbeiter ausbeuten können und nur Arbeitsplätze schaffen können, wenn Mitarbeiter ausgebeutet werden. Leider hab ich mir den Namen nicht gemerkt, sonst hätt ich dem eine Mail geschrieben. Der hat doch den A... offen!!! Wie gut Postkonkurrenten sind, hab ich bei ecoflash, einer Tochter der Süddeutschen Zeitung erlebt: hier war ein Brief 14 Tage innerhalb Münchens unterwegs! Man hat sich zwar entschuldigt, aber das war alles. Dass der Empfänger ganz massive juristische Schwierigkeiten bekommen hatte, ignoriert man. (Durch den Entschuldigungsbrief konnte er seine "Unschuld" zum Glück belegen). Da sag ich nur: solche Postkonkurrenten braucht Deutschland nicht! Ich hab ja nun beruflich auch einiges mit Logistik zu tun. Alle Speditionen, die Subsubsubunternehmen und Scheinselbständige beschäftigen, die ausgebeutet werden, sind schlechte Speditionen: Termine werden nicht eingehalten, die Ware wird beschädigt, weil nicht sorgsam damit umgegangen wird, die Fahrer sind unfreundlich bis dorthinaus. Das rechnet sich auf Dauer nicht! Die Kunden sind verbost und haben viel Reklamationsaufwand. "Unsere" Spedition ist zwar nicht die billigste, aber die mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis: Termine werden eingehalten; die beauftragten Abholungen finden tatsächlich statt und es bleibt (fast) nie Ware stehen; bei Problemen steht man dazu und sucht eine kundenfreundliche Lösung. Das ist _viel_ mehr Wert als 4-5% niedrigere Preise! Ich bin ja geneigt, zu sagen: Leute, lasst Euch nicht ausbeuten! Leider ist die Not am Arbeitsmarkt so groß, dass es genug Arbeiter geben wird, die sich von den Postkonkurrenten ausbeuten werden lassen.
Als Liberaler graut mir vor beiden Vorstellungen: a) die Post hätte keine Konkurrenz oder b) es gibt Konkurrenz, die aber nur, weil Mitarbeiter ausgebeutet werden. Ich habe mich mit der Thematik nicht intensiv genug beschäftigt, aber ich tendiere dazu, dass es tatsächlich eine Art "Mindestlohn" geben muss - so hart das klingt und so sehr das mein Liberalenherz schmerzt!

1 Antwort zu diesem Blogeintrag

  1. Kommentar von PG
    Dienstag, 22-01-08 15:37 Uhr

    Traurig aber wahr! So ist das im Turbokapitalismus... Die soziale Komponente spielt in der Globalisierung absolut keine Rolle mehr...
    Irgendwann knallt es, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der "kleine Mann" zurückschlägt.

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