Gerald Fränkl Blog

07.11.17

Glasfaser für alle - welch ein Unfug

Kategorie: Politik, Arbeitswelt und Erfolg, Wirtschaft und Unternehmen, Bildung und Nachwuchs

Ernst Ahlers hat auf Opens external link in new windowheise online einen tollen Kommentar zum Thema "Glasfaser für alle - welch ein Unfug" veröffentlicht. Er spricht mir damit sowas von aus der Seele.

Bevor ich aber zu seinen Argumenten komme, möchte ich noch auf ein ganz spezifisches Problem hinweisen: m-net und die Stadtwerke München bauen in München gerade mit ziemlich viel öffentlichem Geld ein Glasfasernetz auf. An sich finde ich das eine tolle Idee. Nur wenn ich mir dann anschaue, dass in meiner Gegend im Südosten mit lauter Mehrfamilienhäusern mit maximal fünf Einheiten, bis 2020 noch nicht mal was geplant ist, platzt mir die Hutschnur! Die ganzen Assozialenviertel in München werden erschlossen und wir müssen uns mit den 18.000 MBit/s (die bei m-net schlappe 12.000 MBit/s tatsächlich sind) oder der Telekom mit 50.000/100.000 Vectoring) begüngen. Aber Hauptsache, die Arbeitslosen und Asozialen können mit 300 Gigabit die Sekunde surfen und Fernschauen! Unfassbar, wie hier mit öffentlichem Geld umgegangen wird!

Der zweite persönliche Punkt: bei uns im Büro in Sauerlach ist die DSL-Versorgung eine richtige Katastrophe. Hier gibt es noch nicht einmal 50.000 MBit/s, geschweige denn 100.000! Und das mitten in einem neuen Gewerbegebiet. Von Glasfaser brauchen wir noch gar nicht reden. 

Nun zum Artikel von Ernst Ahlers: 

Er schreibt, dass alle Gigabitausbau fordern und die Telekom gescholten wird, weil sie das wirtschaftlich zumindest kurzfrstig wesentlich sinnvollere DSL-Vectoring favorisiert. Selbst für eine vierköpfige Familie wäre das gut ausreichend. Privathaushalte brauchen kein Gigabit auf absehbare Zeit.

Ahlers stellt die Frage, warum er als Stadtbewohner, der 50.000 MBit/s zur Verfügung hat, den teuren Ausbau auf dem Land finanzieren soll. Er günstigen Grund am Land kauft, soll auch selbst den Internetanschluss finanzieren. Bei 100 Euro pro Meter, auf denen dan kaum Nutzer sind, lohnt es sich kaum.

Auch erwähnt er die Philosophie vieler gerühmter asiatischer Staaten: einfach auf die oberirdischen Strom- und Telefonmasten noch ein Glasfaserkabel drauf. Billiger gehts nicht. Aber auch nicht hässlicher und nicht störanfälliger.

Der Flaschenhals im Internet sind doch eher lahme Server, die Seiten langsam öffnen.

Er endet mit dem Satz, dass wir mit Glasfaser irgendwann "mit dem Ferrari zum Brötchen - äh, nein, Mailabholen fahren".

Ich sehe es in weiten Teilen genauso. Ich bin für Glasfaserausbau, aber vernünftig: wenn die Straße eh aufgegraben wird, dann kann da ein Kabel rein oder wenn ein neues Wohngebiet erschlossen wird oder wenn mehrere Neubauten in einer Straße entstehen und die Straße/Bürgersteig ohnehin halb geöffnet sind: rein damit und anschließen! Gewerbegebiete mit Firmen, die in Deutschland ihre  Steuern zahlen: sofort rein damit!
Wenn man damit durch ist, kann man in sagen wir fünf Jahren anfangen, den Kreis immer enger zu ziehen und die Gegenden, die dann immer noch nur 50.000 haben und keine 100.000 Mbit/s, echt an Glasfaser anzuschließen. Und dann reihum haben wir in 10-15 Jahren, wenn dann vielleicht wirklich Bandbreiten von 300.000 MBit/s benötigt werden, fast flächendeckend. Wobei wir bis dahin wahrscheinlich auch im Mobilfunk schon viel weiter sind als jetzt. Ob diese Doppelung immer Sinn macht, sei auch mal stark in Frage gestellt.

Und hier stellt sich dann die Frage: sollte die Glasfaser dann nicht von einer neutralen Instanz gebaut werden, eventuell staatlich gefördert, die dann an ALLE Anbieter, die es möchten, vermietet? 

Aber bitte nicht wahllos nach dem Gieskannenprinzip Glasfaser verbauen. Da ist echter Unfug!

Und vielleicht ist die ganze Diskussion auch gut, die Damen und Herren Webmaster mal dran zu erinnern, für wen sie arbeiten: für uns als Nutzer! Nicht für Herrn Maximal-Videoanteil-in-die-Seite-drücken und nicht für Frau Klicki-Bunti-sinnlos-Animation!


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